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21.05.2013
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Foto Dr. h.c. Thomas Ganswindt Sinnvolles Projekt für mehr Chancengleichheit

In der Bundesrepublik Deutschland leben offiziell mehr als 6,3 Millionen Schwerbehinderte. Weitere Hunderttausende, wenn nicht Millionen von Menschen mit Behinderungen sind nicht amtlich erfasst. Damit gibt es hierzulande in etwa so viele Bürgerinnen und Bürger mit körperlichen, geistigen oder seelischen Handicaps wie die Schweiz Einwohner hat. Trotz dieser beachtlichen Zahl nehmen viele Unternehmen und Bildungseinrichtungen die speziellen Bedürfnisse der Betroffenen nicht ernst genug. Das beschneidet zum einen das Recht auf Chancengleichheit. Zum anderen ist es volkswirtschaftlicher Unfug, einen großen Teil der Potenziale von knapp zehn Prozent der Bevölkerung ungenutzt zu lassen. Als Informationsgesellschaft können wir uns diese Verschwendung intellektueller Ressourcen nicht länger leisten.

Um so lobenswerter ist das Projekt "barrierefrei kommunizieren!". Behinderten Menschen Techniken und Technologien aufzuzeigen, um individuelle Fähigkeiten mit Hilfe von Internet und Computern bestmöglich zu nutzen, ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Denn Informations- und Kommunikationstechnologien eröffnen gerade benachteiligten Menschen große Chancen auf eine selbstbestimmte Teilnahme am gesellschaftlichen und beruflichen Leben. Online-Angebote und PCs machen zeitlich und örtlich unabhängig; sie erlauben individuell angepasste Lernformen und Arbeitsweisen.

Voraussetzung für eine sinnvolle Nutzung elektronischer Medien ist allerdings, dass die Hersteller von Hard- und Software und die Anbieter von Inhalten die speziellen Anforderungen von Behinderten kennen, verstehen und berücksichtigen. So wissen viele Programmierer von Webseiten nicht, dass Menschen mit manuell-motorischen Einschränkungen häufig keine Computermaus bedienen, dass sie sich aber durchaus per Tastatur durchs Web bewegen können. Einen Internetauftritt entsprechend zu programmieren, macht wenig Mühe und ist kaum aufwendiger, als beispielsweise verschiedene Schriftgrößen für Menschen mit Sehbehinderungen anzubieten.

Die Publikation "barrierefrei kommunizieren!" zeigt auf rund 160 Seiten zahlreiche Beispiele für Produkte und Anwendungen, die auf den Bedarf von Menschen mit Behinderungen zugeschnitten sind. Damit dient die Übersicht als wertvolle Informationsquelle für Menschen mit Behinderungen sowie für Betreuer und Ausbilder und schafft die Voraussetzung für ein Stückchen mehr Chancengleichheit.

Ich hoffe, dass sie zudem viele Anbieter inspiriert, mehr sinnvolle Produkte für eine Zielgruppe von immerhin über sieben Millionen potenzielle Kunden zu entwickeln. Eine solche Entwicklung würde dazu beitragen, die Qualifikation und Bildung in Deutschland zu verbessern. Ziele, denen sich auch die Initiative D21 als Europas größte Public Private Partnership verschrieben hat. Als deren Vorsitzender wünsche ich "barrierefrei kommunizieren!" den größtmöglichen Erfolg, auch im Interesse und zum Vorteil der deutschen Volkswirtschaft.


Dr. h.c. Thomas Ganswindt
Vorstandsvorsitzender Initiative D21, Mitglied des Vorstands Siemens AG


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